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Hilf dir selbst, sagte sich
Müller Eberhard Oertel aus Suxdorf
im anhaltinischen Landkreis Zeitz, dann helfen dir vielleicht auch andere. Und
entschlossen packte er zu, um seine am 31. August 1990 ausgebrannte
Holländermühle wieder aufzubauen. Zugegeben, es war ein hartes Stück Arbeit,
und überdies verschlang es auch ein kleines Vermögen, mehr als eine
Viertelmillion Mark. Die Versicherungssumme und geringe Fördermittel, die
Müller Oertel im Rahmen der Dorferneuerung erhalten
hatte, reichten dazu bei weitem nicht aus. Der Denkmalschutz zeigte die kalte
Schulter. Dem zweifach abgebrannten Müller blies der Wind kräftig ins Gesicht.
Aber er schaffte sein Ziel bis zum Jahresende 1993.
Nun erstrahlt die Mühle wieder im neuen
weißen Gewand am Horizont der Bockwitzer Höhe. Ein
schöner Anblick für die Benutzer der B 180 von und nach Zeitz. Nur die großen Ventikanten-Drehheck-Flügel fehlen noch: Materialwert
nochmals etwa 40000 Mark. Doch der Suxdorfer Müller
selbst kann nichts mehr leisten, hofft auf Fördermittel, um sein Werk zu
vollenden. "Wenn sie sich eines Tages wieder dreht", sagt er,
"geht für mich ein Traum in Erfüllung". Die 1836 von Christian Wagenbreth erbaute Holländer-Windmühle ist seit mehr als
100 Jahren im Familienbesitz, heute in der 4. Generation. Urgroßvater Karl und
Großvater Arthur Gneist waren ebenso wie Vater Kurt
und Sohn Eberhard Oertel, Müller und Bäcker zugleich.
Noch bis 1962 wurden mit einem Pferdegespann nicht nur Zeitzer
Bäcker täglich mit Mehl beliefert, sondern auch viermal pro Woche frisch
gebackenes Brot ausgefahren. 1947 wurde die Mühle aufgestockt, ein Ventikanten-Drehheck angebaut. Über eine Windrose drehte
sich die Haube fortan selbsttätig in den Wind. Doch schon am 04.12.1954
warf ein heftiger Sturm die Haube der Mühle ab. Dem Suxdorfer
Müller blieb nichts erspart. Nach dem Tod des Vaters übernahm Sohn Eberhard,
der 1958 das Müllerhandwerk im väterlichen Betrieb erlernt hatte, die
Holländermühle. Er schrotete für umliegende Gehöfte, bis der Brand seiner
Tätigkeit im Sommer 1990 ein jähes Ende setzte.
Als Müller kann Eberhard Oertel
heute nicht mehr arbeiten. Seine alte neue Holländermühle möchte er nun als
Museum herrichten, als touristisches Ausflugsziel, malerisch gelegen - offen
auch für festliche Anlässe kleinerer Gesellschaften, die gastronomisch betreut,
in den verschiedenen Stockwerken der geräumigen Holländer-Mühle ganz
individuell feiern können.
Die ersten Holländermühlen wurden im 16.
Jahrhundert errichtet.
Gab es 1895 in ganz Deutschland noch etwa 16000, so waren 1939 nur noch 4700
davon übrig. Heute drehen sich in Sachsen noch etwa 12 intakte Windmühlen.
Müller Oertel verdient Respekt für den schönen
Gedanken, das einst auch im Zeitzer Land
bodenständige Müllerhandwerk auf seine Weise künftigen Generationen in
Erinnerung zu halten.
Harald Lange
|
Kontaktadresse:
|
Holländermüller
Eberhard Oertel |
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Von
unserer Redakteurin UTA FÖRSTER
BOCKWITZ. Don
Quijote sitzt zum ersten Mal in seinem Leben auf einem Pferd. Esel Ali wartet
nervös in einem alten Barkas auf seinen großen
Auftritt. Und Sancho Pansa läuft vom Lampenfieber gepackt aufgeregt bin und
her.
An jenem
Nachmittag in dieser Woche verwandelte sich Bockwitz in einen Drehort. Die alte
Mühle mit den neuen Windrädern bildet die Kulisse für den satirischen Kurzfilm
Don Quijote im Kleeland.
Die Idee für
dass Spektakel hatte - wie könnte es auch anders sein - Helmut Pöschel. Ms vor wenigen Wochen die neuen Flügel an der
Mühle montiert wurden, sah der Chef vom Würchwitzer
Filmklub vor seinem geistigen Auge bereits Don Quijote gegen die
Windmühlenflügel ankämpfen.
Die Darsteller
waren bald gefunden. Andreas Ballmann aus Würchwitz,
der eigentlich auf dem Bau arbeitet, kletterte in die Rüstung und mit den
Worten „Es klappert mächtig im Gebälk“ aufs Pferd. Frank Misselwitz
aus Kraasa im Altenburger Land schlüpfte in die Rolle
von Sancho Pansa und die in Leipzig lebende Kubanerin Anolan spielte die schöne Müllerin.
Zu den Laiendarstellern gesellte sich ein Profi. Der aus vielen DEFA -Filmen bekannte Fred Delmare ließ sich mit einer ungewöhnlichen Gage ins hiesige Kleeland locken. Er spielte für einen mit Kirschen und Erdbeeren gefüllten Korb - und natürlich für MiIbenkäse. ‘Ich kann euch doch nicht das Geld aus der Tasche ziehen, begründete der Schauspieler sein Engagement.

Der 78jährige
verkörperte den Müller, der seine Mühle wild mit dem Reisigbesen verteidigte.
Fast zu wild, befand zumindest Don Quijote „Du kannst nicht so auf mich
eingerben. Das ist mein Tod“, befürchtete dieser, als das Pferd zu scheuen
begann.
Aus diesem Grund
disponierte Regisseur Jürgen Kautz kurz entschlossen
um. Der gegen die Windmühle kämpfende spanische Romanheld fiel vom Pferd und
bekam erst alt unter lautem Protest von Sancho Pansa vom Müller seine Schläge.
Nicht Im
Drehbuch vermerkt wen hingegen der Sturz des Müllers. „Die Gummistiefel
sind mindestens acht Nummern zu groß“, sagte Delmare,
rappelte sich wieder auf und wischte sind das Blut vorn Nasenbein. Der einstige
DEFA-Star fand trotzdem viel Spaß bei den Dreharbeiten an der Bockwitzer Mühle. „Ich komme wieder in euer Dorf, versprach
er zum Abschied.
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Hochtrabende
Worte gehen schon immer bei der Windmühle weg! 
Die
Windmühle am Kreis- und Landeszaun
Im
Kreis Altenburg befanden sich früher zahlreiche Windmühlen; heute kann man nur
noch die ehemaligen Standorte feststellen. Da lohnt sich schon ein Blick über
die Kreis- und Landesgrenze nach Zeitz und dem Sachsen-Anhaltinischen. Gleich
nach dem Passieren der Grenze erblickt man auf der B7 am Horizont die Suxdorfer Windmühle bei Bockwitz - richtiger gesagt, man
kann den Wiederaufbau täglich verfolgen, was bei einer Windmühle in unseren
Tagen schon eine Seltenheit ist und nicht verpasst werden sollte.
Immerhin
blieben durch das Mühlensterben in Deutschland von 1895 16000 Windmühlen, 1939
nur noch 4700 übrig. In Sachsen sind es nur noch ein
knappes Dutzend.
Bestimmen
wir die Örtlichkeit in zirka 300 Meter über dem Meeresspiegel etwas näher:
Heute "Windmühlenweg 11", früher postalisch zur Suxdorf
gehörend, telefonisch über Kayna zu erreichen, rechnet nun alles zur Gemeinde Würchwitz.

Die
erste Windmühle wurde dort 1836 von Christian Wagenbreth
als Holländerwindmühle gebaut. Alte Rechtsvorschriften verlangten, dass neben
Windmühlen im Abstand von 100 Metern keine Bäume angepflanzt und auch nichts
gebaut werden durfte. Auch der Abstand zur Straße war einzuhalten. Da aber der
erste Besitzer auch Felder besaß, war natürlich manches auf eigenem Grundstück
einfacher.
Die
ersten Holländermühlen wurden wahrscheinlich im 16. Jahrhundert errichtet.
Technologisch sind sie eine Weiterentwicklung der Turmwindmühlen. Sie sind aber
sturmsicherer, aber wir werden sehen, nicht in jedem Sturm. Es sind
zylindrische, fast vollständig aus Stein gemauerte Mühlen, das heißt nach oben
aufgrund aerodynamischer Erfordernisse konisch verjüngt. Die obere drehbare
Kappe wurde mit dem Flügelkreuz per Hand über einen „Steert“
oder ein inneliegendes „Gaffelrad“ wie in Suxdorf oder später auch vollautomatisch über eine Windrose
in den Wind gedreht. Es gibt ein – oder mehrgeschossige „Galerieholländer“ oder
auch „Wallholländer“ beziehungsweise auch „Kellerholländer“.
Die
1836 geschaffene mehrgeschossige Erdholländermühle in Suxdorf
war damals niedriger als heute. Der Mühlkörper erreichte 8 Meter Höhe, dazu kam
das Dach mit etwa 3 Metern Höhe. Ursprünglich hatte die Mühle
Hechtjalousieflügel mit automatisch sich auf Winddruck öffnenden
beziehungsweise schließenden Klappen. Eine solche Flügelart, vom Fliegermajor Bilau erfunden und von der Firma Karl Kühl angebaut, gibt
es in den neuen Bundesländern nur in zwei Mühlen: Parens
bei Riese und Neubuckow. Später waren es Ventikanten-Dreheck-Flügel,
abgeleitet von einem Flugzeugtragflächenprofil. Jeder Flügel hat eine
feststehende Seite, die andere ist klappbar. Es ist anzunehmen, dass bei aller schwerer Müllerbuckelei doch auch
immer eine Aufzugsvorrichtung für das Mahlgut vorhanden war. Müllermeister und
Gehilfe mussten alles, was mit dem Mahlen zusammenhing, bewältigen, und vieles
sah beschaulicher aus, als die tägliche Arbeit es erforderte.
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Es
gibt noch Windmühlen in unserem Heimatkreise. Viele führen ein behagliches
Dasein und werden nur gelegentlich zum Schroten aus ihrer Ruhe geweckt.
Doch sie beleben die Landschaft und geben ihr einen romantischen Reiz. Manche
Windmühlen sind ihres Wahrzeichens. ihrer Flügel beraubt, der Elektro- oder
Dieselmotor treibt jetzt die Mahlgänge in ihrem inneren. Andere jedoch sind
bereits zerfallen und blicken Sterbenden gleich trostlos in die Weite. Man
tollte sie ganz abbrechen, oder — als technische Denkmale erhalten.
Wer
aber einmal die Gleinaer- oder Geußnitzer
Straße entlang wandert, wird am Horizont eine Windmühle entdecken, die so
lustig ihre Flügel dreht, als gebe es kein Windmühlensterben. Es ist die Bockwitzer Mühle. Sie steht auf einer Anhöhe 260 in über
dem Meeresspiegel, dem Galgenberg.
Die
Überlieferung berichtet, dass dort Freitag nach Pfingsten 1570 die Hexe von Suxdorf, Eva Geißler, eine "alte Fedtell"
verbrannt wurde. Diese Berge, die den Galgen trugen, sind Plätze des Schreckens
für die vielen unschuldig Verurteilten gewesen, denn Richter waren die
Feudalherren; hier die Gutsherren von Wildenborn.
In
dem vaterländischen Freiheitskriege 1813 gewann die Höhe am 28. September für
die von dem Kosakenkorps Platow bei Altenburg zurück gedrängte und vom .Reiterkorps
Thielemann hei Spora in der Flanke gefasste
französische Garde unter Lefèbre Bedeutung. Die 2
Batterien der Franzofen waren auf diesem beherrschenden Punkt in Stellung
gegangen und versuchten durch lebhaftes Feuer vergeblich den Rückzug zu decken.
Erst
seit dem Jahre 1826 trägt die Höhe eine Mühle. Zunächst wurde eine
Bockwindmühle errichtet; jetzt steht dort eine Holländermühle. Sie ist wahr
wahrscheinlich 1836 erbaut worden, denn die Windfahne trägt diese Jahreszahl. Suxdorfer Mühle heißt sie auch, weil sie auf Suxdorfer Flur, obwohl in unmittelbarer Nähe von Bockwitz
steht.
1947
wurde das nunmehr 3 stöckige Steinhaus um 3 1/2 Meter
erhöht, darüber wölbt sich das 3,60 m hohe Turmwindmühlendach, dass die
Flügelwelle mit den gewaltigen Flügeln trägt. Das gesamte Bauwerk ist somit
etwa 16 m hoch. Der Windmüller hat mit dem Fortschreiten der Technik
Schritt gehalten. Das Windkreuz, das Flugzeugtragflächen ähnelt. hat einen
Durchmesser von 20 m. die Flügelflächenlänge beträgt 8 m und die Breite 1,90 m.
Es ist ein nach den modernen aerodynamischen Erkenntnissen gebautes Bilau-Ventikantenkreuz mit Drehheck und erlaubt Ausnutzung
geringerer Windstärken bereits ab 2 1/2 m/sec. Häufig kann die erzeugte Energie
gar nicht voll ausgenutzt werden.
Bei
Windstärke 4 (10 m/sec) leistet das Flügelkreuz etwa 30 PS und bei
Windstärke 6 (15 m/sec) zwischen 40 und 60 PS. Das bedeutet eine jährliche
Stromersparnis von ungefähr 33%, was 15000 kwh
entspricht.
Bei
Windstille - man rechnet im Allgemeinen in unserer Gegend mit 2/3 Windtagen und
1/3 windstillen Tagen im Jahr - wird die Mühle natürlich elektrisch
angetrieben. Dem Flügelkreuz gegenüber ist eine Windrose angebracht, das sind
kleine Flügelräder, die senkrecht zum Hauptkreuz stehen, sie steuern das
Flügelkreuz selbständig in die Hauptwindrichtung.
Um
jedoch dem Druck übergroßer Windstärken zu begegnen, wurden bei
Windmühlenflügeln die Jalousien gezogen, das Ventikantenkreuz
ist aber mit einem Drehheck versehen, durch welches bei zu hoher Drehzahl durch
Schleudergewichte eingewinkelt wird und dadurch der Drehbewegung
entgegenstellt. Die ersten Versuche mit solchen Flügelkreuzen sind natürlich
nicht ohne Bruch abgegangen - jetzt ist die Konstruktion sturmsicherer. ….
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von unserer
Redakteurin MEINARDT
Würchwitz/MZ.
Arabischer Kaffee, libanesischer Bauchtanz, kubanische Entwicklungshilfe und
kulinarische Kostbarkeiten boten die diesjährigen traditionellen
Mühlengespräche im Rahmen des Würchwitzer Kleefestes.
Die Mühle als Ort um sich über Gott und die Welt auszutauschen, um verrückte
Ideen nach zujagen, oder um sich einfach wieder zusehen. Insider und
Querdenker, Stars und noch nicht entdeckte Talente hauchten der alten Mühle
Leben ein, verwandelten sie ein „Therapiezentrum‘ der Moderne.
Alte
Bekannte in der 22. Auflage. So kamen Puppenspieler Frieder Simon, Filmemacher
Klaus Dörrer und Historiker Wolfgang Velcherling kamen nach gut 20 Jahren wieder. Frieder Simon
ließ seine Puppen tanzen, nahm den Aufschwung Ost und die Fußball-WM aufs
Korn: Im Unterschied zum Fernsehen sind meine Akteure käuflich.“
Klaus
Dörrer begab sieh auf Fröbels Spuren, besuchte den
erster Garten der Kinder der Welt in Blankenburg, und bannte Fröbels Aktualität
auf Zelluloid.“ Es ist die Frage nach neuen Spielformen und Lernmethoden für
Heranwachsende in einer medienüberfluteten Zeit“,
philosophierte Dörrer über sein Werk. Doch längst
hielten die neuen Medien auch in der Mühle Einzug. So entführte Hendrik Wahl die
Zuschauer in eine virtuelle Computerwelt, flimmerten Videos und Filme über die
Leinwand. Die Zeitzer Band „Down Town“ stellte ihren
neuesten Song vor. Die Lukaer Tanzmäuse um Steffi Pöschel
brachten Glanz ins alte Gemäuer, in Pallietten
bestickten Kleidern gaben sie sich den heißen Rhythmen hin. Und für
Sängerin Michaela Sangl aus Neuseeland war die Mühle
praktisch die Generalprobe zum Turneeauftakt.
Rhythmenwechsel hin zur Klassik.
Den
eigentlichen Ohrenschmaus boten Prof. Mathilde Erben (Klavier) und Cornelia
Erben (Flöte). „Sonst fahren wir ins Gewandhaus nach Leipzig, um die Erbens zu
hören“, so Bürgermeister Friedrich-Karl Steinbach nach der Darbietung sichtlich
gerührt. Unscheinbar auf der Treppe sitzend beobachtete Müller Eberhard Oertel das bunte Treiben. Wie der Gastgeber erzählte,
sollen sich die Flügel der Windmühle im Jahr 2000 wieder drehen. Gleichzeitig
nutzte er die Gelegenheit, um den anwesenden Spendern für ihre finanzielle
Unterstützung zu danken.
Brechend
voll war am Abend der Würchwitzer Saal zum
Kleefesttanz. Alte deutsche Schlager lebten mit „German Dance House“ auf.
Arnulf Wenning und seine beiden Tänzerinnen ließen
den Saal beben, die Fangemeinde sang und tanzte mit. Danach spielte die CHE-Formation zum Tanz auf.

Von unserer Redakteurin UTA FÖRSTER
Suxdorf/MZ. Noch tummeln sich die Enten unter dem im Hof der Suxdorf´schen Mühle aufgebockten Windmühlenflügel, der einer Flugzeugtragfläche ähnelt. „Bis auf die Klappe ist der Flügel komplett“, erklärt Eberhard Oertel und deutet die Scheune, in der sich das Drehheck befindet. Jede freie Minute steckt der Mühlenbesitzer in den Wiederaufbau der im Jahre 1836 erbauten Turmdrehmühle.
Auf Bildern hat er sich die technische Dinge abgekupfert, Modele gebastelt und schließlich. selbst Hand angelegt, so gut es eben geht. Und es muss geben, zumal der gelernte Müller in diesem Jahr keinen Pfennig an Fördermitteln für den Wiederaufbau seiner Mühle erhält. Im vergangenen Jahr steuerten das Land 5000 Mark und der Burgenlandkreis 3000 Mark bei. Das meiste Geld schluckte der obere Drehkranz, der mit Hilfe eines Zahnrades nun wieder das Dach der Mühle bewegt.
Eberhard Oertel macht auf eine am Boden liegende Welle aufmerksam, die noch montiert werden muss. Sie wurde ebenfalls aus den letzten Geldern finanziert. „Das Mode dafür habe ich entworfen und auch die Dreharbeiten durchgeführt“, erzählt der erfahrene Bastler. Doch bei den größeren Arbeiten - angefangen vom Bleche zuschneiden bis hin zur Anwendung bestimmter Schweißverfahren - mussten Firmen eingeschaltet werden.
Um Materialosten zu sparen, hält der Mühlenbesitzer selbst auf dem Schrottplatz nach wieder verwertbaren Dingen Ausschau. Dabei wird seine Mühe nicht immer belohnt. ‚Das Kugellager habe ich ausgebaut, konnte es aber am Ende nicht verwenden, weil es kaputt war“, ist zu erfahren. Bis Juli nächsten Jahres wollte Eberhard Oertel ursprünglich mit dem Wiederaufbau der Mühle fertig sein. Aber ohne Fördermittel, die sich für das Flügelwellen-Hauptlager und für das große Antriebsrad erforderlich machen - zieht sieh das Ganze wohl noch eine Weile hin, bedauert er.
Die Besucher stört es allerdings stört es wenig, dass sie auf Suxdorf´schen Flur vorerst nur eine „Unvollendete“ vorfinden. Wann immer auch Fremde hier vorbeikommen, lassen sie es sich nicht nehmen, an der Holztür anzuklopfen. Dann führt sie Eberhard Oertel durch sein Reich, das seit dem Kleefest auch eine Ausstellung mit Werken von Volker Thurm beherbergt. Mit Ölfarben bannte der Kaynaer Künstler die Suxdorfer Mühle ins Bild, so wie sie sich in den Jahren zwischen 1936 und 1954 präsentierte. Aber auch Porträts von Johann Christian Schubart und anderen Persönlichkeiten, die die Geschichte des Ortes mitprägten, können bewundert werden. Die ausgestellten Bilder sind Spitze, macht weiter so, dokumentierte Familie Gentzsch neben vielen anderen im Gästebuch ihre Meinung.
Von der kleinen Galerie gelangt der Mühlenbesucher - sofern er dies möchte – über eine Leiter durch eine kleine Tür hinaus ins Freie. Mit einer herrlichen Aussicht wird sein Aufstieg belohnt. Und wenn der Wind günstig steht, dreht sich in luftiger Höhe nur wenige. Meter über seinem Kopf die im vergangenen Herbst montierte Windrose.

Von unserer Redakteurin YVETTE MEINARDT
Würchwitz/MZ. Genau vor 20 Jahren saß Frank-Michael Erben schon einmal in der Suxdorf er Windmühle. Er begleitete seinen Vater den berühmten Solist des Gewandhauses. Dieser spielte vor vielen Jahren n der Windmühle auf. Damals traf sich die Runde noch auf Mehlsäcken. Gerade mal elf Jahre alt empfand de Knirps die „Mühle“ als etwas Besonderes, Geheimnisumwobenes. ‚Ich weiß noch, als Humus das erste Mal zu uns nach Leipzig kam‘, erinnert sich der heute 3lJährige. „Er baute In unserem Flur eine riesige Filmmaschine auf, die sich krachend in Bewegung setzte und zeigte den „Jungbrunnen“. Meine Schwester Cornelia setzte sich ans Klavier und improvisierte“ Es entstand eine wunderschöne Filmmusik. Und im Laufe der Jahre sahnte der „Jungbrunnen“ auf vielen Filmfestivals diverse Preise ab.
Heute steht Frank-Michael Erben auf den Bühnen weltberühmter Konzerthäuser. 1986 debütierte er als Solist in einem Konzert des Gewandhausorchesters Leipzig unter Leitung von Kurt Masur. Seit 1987 ist er 1. Konzertmeister des Gewandhausorchesters. 1993 Übernahm Frank-Michael Erben die Position des Primarjus Im Gewandhaus-Quartett. Der Weltstar gastuierte in vielen europäischen Ländern, gab in Japan und in den USA Konzerte, war vergangen Woche bei Prinz Charles zu Gast (MZ berichtete). Die Verbindung zum Kleeland hatte über die Jahre Bestand. Nach Würchwitz kam der Weltstar ganz in Familie, schließlich war der Sonnabend sein erster Urlaubstag.
Normalerweise kennt ihn sein Publikum nur in Frack und Fliege. In Bockwitz erlebte man Frank-Michael Erben in Jeans und kurzärmeligem Hemd. Er stand mitten im Publikum, und die eingeschworene Gemeinschaft erlebte im wahrsten Sinne des Wortes seine Musik. Seine Nasenflügel vibrierten und er schnaubte leise als er sich seinem Spiel auf, der „millionenschweren“ Geige hin gab. „Das Publikum saß direkt um mich herum, so sah es jede Schweißperle. Als Künstler zieht man quasi aus“, sinnierte Frank-Michael Erben nach dem Konzert.
Er liebt nicht nur die großen Konzertsäle. “Gerade seiner Heimatstadt Leipzig ist das Publikum übersättigt, kann mindestens zwischen zwei, drei Konzerten pro Abend wählen. ‘ Hier auf dem Land saugen die Leute wie ein Schwamm solche Konzert auf. Besonders gern erinnere ich mich an die Konzertabende in der Würchwitzer Schule, da spielte ich so fünf, sechsmal. Ich glaube, sie fanden im Biologieraum statt. Jedenfalls stand da ein Model vorm Ohr und daneben hing ein Schild: ‚Bitte leihen sie uns ihr Gehör‘ Den Humor und die Herzlichkeit habe ich schon immer an Humus geschätzt“, erinnerte sich Erben.

Von unserem Redakteur UWE GA.JOWSKI
Bockwitz/MZ. Eng und enger wurde es am Sonnabend in der Bockwitzer Windmühle zur 20. Auflage der Mühlengespräche hatte sich - wie in jedem Jahr - eine illustre Runde zusammengefunden „Von der Klofrau bis um Bundeskanz1er haben wir hier alle Berufsgruppen vertreten“ machte Helmut Pöschel vom Würchwitzer Filmklub alle Anwesenden mit einander bekannt. Der Kanzler erntete bei seiner Erwähnung Pfiffe, doch Lehrer Pöschel, den alle eh nur „Humus“ nennen, beruhigte: ‚Der ist nicht da, den hätten wir ohnehin nicht durch die Mühlentür bekommen.“ In diesem Jahr war die Runde zusammengekommen, um ‚Die Problemchen der Welt zur Jahrtausendwende“ zu diskutieren. Und das tat man ausgiebig. Aufgelockert mit Film- und Videoeinspielen plauderte Humus über die Geschichte der Mühlengespräche, zu denen man sich 1976 das erste Mal traf. Klaus Dörre, von der DEFA-Gruppe „Dokument“, die damals den Kleefestfestfilm über Würchwitz drehte, war am Sonnabend genauso mit dabei wie Bodo, ein Lebenskünstler, der etliche Jahre seines Lebens in Burma und Thailand verbrachte.
Im Mittelpunkt des Interesses auch der Würchwitzer Bürgermeister Karl-Friedrich Steinbach. Dessen per Diabetrachter vorgeführten Kinder- und Jugendbilder regten zur Heiterkeit an. „Früher, da war das gemütlicher, da saßen wir noch auf den Säcken“, merkte Steinbach an. Und etliche in der Runde, die am Ende der Gespräche mit weißem Hintern nach Hause gingen, nickten zustimmend, Natürlich spielt auch der Filmstreifen über den Würchwitzer Milbenkäse bei den ‚Gästen aus mehreren Ländern eine Rolle.
Überhaupt war das mehrstündige lockere Programm gespickt mit kulturellen Kostbarkeiten. So der Flötensolo von Cornelia Toaspern, die Darbietung von Stetfis Tanzmäusen, das Probehäppchen der Leipziger Pfeffermüller. Aber auch aus der Mühle gab es neues zu berichten, Im nächsten Jahr, so Windmüller Eberhard Oertel, sollen sich die Flügel der Mühle wieder drehen. . .
